Samstag, 23. Januar:
Der letzte Tag bot auch sehr viel Schönes: Habe mir noch den Anfang der
Preisverleihung anschauen können, bevor ich loszog, um unseren Film zu
vertreten. Ein Glück, dass hier in Saarbrücken alles so nah beieinander
liegt und schnell zu Fuss zu erreichen ist. Diesmal war die Aufregung
wieder da, kein Wunder - ich war ja komplett auf mich gestellt. Mit
Hilfe von unserem Aufnahmeleiter Markus Goertz, der dann mit auf die
Bühne kam, habe ich es aber doch noch alles über selbige gebracht und war
schon sehr erleichtert, wieder Platz nehmen zu können - es gibt schon
einen Grund, warum ich der Kerl bin, der schreibt, und nicht der, der redet :)
Eines war jedoch schon vorher klar: Nächstes Jahr sind wir wieder da, dann aber
im Wettbewerb!!!
Freitag, 22. Januar:
So, das Festival neigt sich dem Ende zu, was man daran merkt, dass es
auch kurzfristig noch Karten für andere Vorstellungen gibt. Ismail war
heute in dem Film "Bis aufs Blut" und war hellauf begeistert. Heute
lief wieder unser allseits beliebter Kurzfilmblock "(Ex-)Paare", diesmal
im Saarbrücker Cinestar, aber mit derselben grossartigen Reaktion auf
"15 Meter". Morgen reisen Erkan und Ismail ab und ich bleibe allein
zurück um den Film halbwegs würdevoll zu vertreten.
Donnerstag, 21. Januar:
Dass die Vorstellung unseres Blocks erst um 15 Uhr stattfindet, kommt uns sehr gelegen - so haben wir Gelegenheit, etwas Schlaf nachzuholen - die letzten 2 Tage haben schon sehr an den Kräften gezehrt.
Diesmal sind wir nicht mehr nervös, denn wir wissen: "15 Meter" ist super ;-) Als wir dann auf der Bühne stehen, wiederholt sich das Gefühl vom ersten Tag. Die Zuschauer sind sogar noch besser drauf und wir bekommen grandiosen Szenenapplaus. Als Verstärkung kommt diesmal auch die gff-Junior Producerin Vera mit, die uns auf der Bühne tatkräftig unterstützt.
Nach ein paar interessanten Fragen und - hoffentlich - lustigen Antworten unsererseits nehmen wir auch wieder Platz, wissend, dass wir definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Nach dem Block sehen wir noch einen Kurzfilm, der im Wettbewerb läuft. Erkan ist felsenfeet überzeugt, dass "15 Meter" auch im Wettbewerb eine ganz gute Figur gemacht hätte.
Heute Abend geht es in den Film "When the mountain meets its shadow", um ein wenig Kultur aufzunehmen. Danach steht wieder die "Garage", wo wir mit anderen Filmemachern den einen oder anderen Drink konsumieren werden.
Mittwoch, 20. Januar:
Heute gibt es keine Vorführung von unserem Block und wir haben Gelegenheit zu sehen, was die "Konkurrenz" zu bieten hat ;-) Wir teilen uns auf, um möglichst viel zu sehen. Unsere Highlights sind "Vorher - Nachher", "Ayla", mein persönlicher Favorit heißt "Rambock". Den Rest des Tages nutzen wir, um die kulinarischen Spezialitäten des Saarlands kennenzulernen.
Heute Abend stehen außerdem noch folgende Filme auf dem Programm: "Men on the bridge" und "Penicilin". Danach geht's zur Aftershowparty in die "Garage".
Dienstag, 19. Januar:
Der erste Tag in Saarbrücken. Nach knapp drei Stunden Fahrt haben wir die Stadt erreicht, die eine knappe Woche unser neues Zuhause sein wird.
Am frühen Abend die Uraufführung: Wir sitzen in dem Saal, in dem unser Film zum ersten Mal einem Publikum vorgestellt wird.
Aufregung und Nervosität sind Erkan ins Gesicht geschrieben. Nach vier anderen Kurzfilmen ist es endlich so weit: "15 Meter" auf der großen Leinwand!
Das Publikum ist begeistert, wir werden nach vorne gerufen, um einige Fragen zu beantworten.
Ein unbeschreiblich schönes Gefühl!
Das Tagebuch schreibt Denis Martynov (Co-Autor "15 Meter")
Cemal hat es mit seiner krankhaften Eifersucht soweit gebracht, dass seine Ex-Freundin Jenny ihn verklagt. Als der Richter das Urteil fällt, bricht für den jungen Türken eine Welt zusammen: Er darf
der Frau seiner Träume nicht mehr näher kommen als 15 Meter.
Und Jenny meint es ernst. Wenn Cemal den Abstand nicht einhält, wird sie sofort die Polizei rufen. Doch Cemal beschließt, zu kämpfen. Er bezieht seinen Posten in 15 Meter Entfernung zu Jennys Arbeitsstelle - einer Apotheke -, und lässt sich nicht verscheuchen.
Als Jenny in der Apotheke Opfer eines Überfalls wird und um ihr Leben fürchten muss, wird Cemals Anwesenheit zur glücklichen Fügung.
Wie entstand die Idee zu „15 Meter"?
Ich habe mich schon immer für Geschichten mit Menschen mit Migrationshintergrund interessiert und wusste, mein erster Film würde auf jeden Fall davon handeln. Es fehlte nur das gewisse Etwas, um es in eine packende Story zu verwandeln.
Auf die Idee mit den 15 Metern kam ich mit einem Freund in einem Café. Als Schauspieler beobachtet man ja bekanntlich Menschen, ihre Facetten und Handlungsweisen. Genau das ist passiert: ich sah einen Mann, der sich etwas sonderbar benahm, als würde er jemanden aus der Ferne beobachten. Das brachte mich auf eine Idee, oder vielmehr auf eine Frage: Was wäre, wenn man sich jemandem nicht nähern dürfte? Das wurde weitergesponnen, bis wir irgendwann auf das Thema einstweilige Verfügung kamen. Ich musste diese nur noch mit einem Menschen verbinden, der in Deutschland nicht heimisch ist - voilá: die Idee für „15 Meter". An diesem Konzept habe ich eine Weile gearbeitet, bis irgendwann die erste Fassung eines Drehbuchs entstand.
Der Film soll zeigen, wie ein Mensch mit einem Kulturschock umgeht. Cemal ist dieser Mensch. Er ist überzeugt, dass er das Richtige tut, dabei genau das Gegenteil bewirkt, jedoch immer noch menschlich und sympathisch wirkt. Man könnte sagen, er ist ein Opfer seiner Kultur.
Wie war deine Erfahrung am Set?
Es waren vier anstrengende, aber auch schöne Tage mit einem sehr guten Team, die alle tolle Arbeit geleistet haben. Allen voran Kameramann Sebastian - wir hatten einfach dieselbe Sprache, was man an den hervorragenden Bildern sieht. Obwohl es mein erster richtiger Kurzfilm war, fiel mir die Arbeit mit den Schauspielern ziemlich leicht, da ich ja selbst Schauspieler bin. Ich hatte es viel einfacher, ihnen meine Vision nahe zu bringen, wusste, was ich von ihnen fordern kann und was nicht. Das haben sie auch sehr schnell gemerkt. Man kann sagen: Ich wusste, wie es in ihren Köpfen aussah.
Beim Dreh habe ich viel gelernt, neue Erfahrungen gesammelt. Sie werden mir helfen, mich in diesem Bereich weiterzuentwickeln und neue schöne Filme entstehen zu lassen.
"15 Meter" | Kurzfilm | Deutschland 2009 | Länge: ca. 11 Minuten | HD, Format: 16:9 | In Co-Produktion mit der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion
Regie: Erkan Gündüz | Buch: Erkan Gündüz, Marcus Seibert, Denis Martynov | Co-Produzent: Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion KG | Kamera: Sebastian Lautenbach | Regieassistenz / Setaufnahmeleitung: Mattis | Schnitt: Marcel Buckan/Willi Schmülling | Ton/Musik: Dieter Miete | Produktionsleitung: Hendrik Niklas | Ausstattung: Katy Winkler | Licht: Jonathan Rinn | Besetzung: Horst D. Scheel | 1. Aufnahmeleiter: Markus Görtz