geißendörfer film- und fernsehproduktion

Zeit der Ernte

Dokumentarfilm | Geplante Drehzeit: Oktober / November 2010 | 90 Minuten
Buch und Regie: Dr. Carolin Emcke
Kamera: Sebastian Bolesch

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Jedes Jahr im Herbst, wenn der Regen im Heiligen Land die trockene Erde aufzuweichen beginnt, wiederholen sich dieselben Riten wie in allen anderen Ländern des Mittelmeerraums, die Oliven ernten: die Familien kommen zusammen, die Studenten verlassen die Universitäten, Fremde und Freunde legen ihre Arbeit nieder und helfen bei der Oliven-Ernte.

Die Zeit der Ernte ist eine Zeit der Gemeinschaft, wie sonst nur Hochzeiten bringen die Oliven alle Generationen zusammen. Die Bäume, die seit Jahrhunderten im Besitz der Familien stehen, einen Jung und Alt, Städter und Bauern, sie alle stehen und hängen in den Olivenbäumen und tragen die Ernte zusammen und bringen sie zu den alten Ölpressen.

Die Zeit der Ernte ist schließlich auch eine Zeit des Feierns und des Dankens für den Zyklus des Lebens.

Der Film will einerseits diese traditionellen Rythmen aufzeigen, die Kultur des Olivenerntens, die Kunstfertigkeit, das alte Wissen und die Familiengeschichten, die mit den Bäumen und dem Olivenöl verbunden sind. 120.000 palästinensische Familien leben vom Olivenöl, eine ganze Generation von Palästinensern lebt und studiert von dem, was die Oliven der Eltern und Großeltern erwirtschaften, die Früchte sind nicht nur Symbol des Friedens und der Zivilisation, sondern hier, ganz konkret, auch Quell des Überlebens und des wirtschaftlichen Aufstiegs.

Aber die Zeit der Ernte ist auch in jüngster Zeit eine Zeit des Kampfs. In der Erntezeit zeigt sich der Nahost-Konflikt wie unter dem Brennglas. Seit dem Bau des israelischen Sperrwalls/der Mauer liegen zahllose Olivenhaine auf einmal jenseits des Grenz-Zauns. Zwar auf palästinensischem Gebiet, aber auf einmal unerreichbar für die palästinensischen Bauern, denen die Olivenbäume gehören. Jedes Jahr zur Ernte-Zeit beginnt der Kampf um den Zugang zu den Oliven, manche Bauern müssen mit bürokratischen Behörden, andere mit militanten Siedlern ringen, um zu ernten.

Der Film möchte die Geschichte der Zeit der Ernte erzählen, der Liebe der Menschen zu ihren Bäumen, des Glücks, das ihnen die Oliven gebracht haben, aber auch der Trauer, die der gegenwärtige Kampf, um das Land auf dem die Oliven stehen, bedeutet.

Es sollen die Menschen im Vordergrund stehen, Menschen wie Mohammed Shurab, in Gaza, der allein auf seinem Landsitz in Gaza lebt, zurückgezogen in Trauer über den Verlust seiner beiden Söhne im letzten Gaza-Krieg, und der dennoch nicht hasserfüllt geworden ist, der jeden Tag sich noch freut an seinen Obstbäumen, seinen Bienenstöcken, und der hofft und lebt für seine Olivenbäume, jedes Jahr wieder.

Menschen wie der Kommunist Shareef Khaled aus Yajus, der 1200 Olivenbäume jenseits des Sperrwalls besitzt, die er aber nicht selber betreuen darf, weil er keinen Passierschein von den Behörden erhält. Stattdessen geht sein Frau, Jahr für Jahr, und erntet nun an Stelle ihres Mannes die Oliven. Und wie sein Freund, Shawkat Mustafa Sambha, dem 100 Bäume durch den Bau der Grenze zerstört wurden, der religiöse Ex-Bürgermeister von Yajus, der mehr die Konflikte zwischen Fatah und Hamas befürchtet als die zwischen den Palästinensern selbst.

Aber auch Menschen wie Arik Aschermann, der engagierte Rabbiner von Rabbis für Human Rights aus Jerusalem, der Jahr für Jahr zur Zeit der Ernte zu den palästinensischen Bauern geht und dort Oliven pflückt, damit militante jüdische Siedler davor zurückschrecken, sie anzugreifen.

In der Oliven-Ernte lässt sich das ganze Kaleidoskop der Menschen aufzeigen, die ringen mit dem Konflikt im Nahen Osten, es lässt sich die Liebe zu dem Land zeigen, und all das, was diese Menschen gemeinsam haben mit uns, die Leidenschaft der Bauern für die Früchte der Erde, ihre Fehden und Familienzwiste, die Wechsel zwischen den Generationen, ihr Glück und ihre Passion, die Feste, die sie feiern und die Geschichten, die sie sich erzählen - aber eben auch das, was sie unterscheidet, was dieser traurige Konflikt aus ihnen macht.

Kaum ein Beitrag über den Konflikt im Nahen Osten bewegt die Zuschauer noch, kaum ein Film bemüht sich noch, einen Zugang zu diesem Land zu finden, der nicht sofort abstößt.

Dieser Film will auch von der Liebe zu dem Land erzählen, von den verschiedenen Menschen und ihrem auch anstiftenden und mitreissenden Willen, etwas zu schaffen, etwas zu erhalten, etwas zu verteidigen, das sie alle eint: die Oliven.