1. Wie seid ihr bei der Komposition der Lieder für den Film vorgegangen? Wie bekommt man ein Gespür für den Inhalt und die Stimmung?
"Landscape" ist direkt nach dem Telefonat und der Anfrage von Hans W. Geißendörfer entstanden. Er hatte mir erzählt, um was es in dem Film geht, wer mitspielt und wo gedreht wird - also welche Art von Stimmung die Bilder im Film haben werden.
Als Alternative hatte ich noch "Stardust" geschrieben und komponiert - der Song wurde dann ja für eine weitere Szene übernommen.
Ich hatte sofort einen guten Draht zu der Geschichte, war schnell drin und nah an den Personen, konnte das in mir finden.
"Cover me" habe ich komponiert, nachdem ich den Rohschnitt gesehen hatte – und zwar für eine ganz bestimmte Szene. Hatte ich irgendwie gleich im Kopf.
Grundsätzlich setze ich mich ans Klavier und spiele und singe einfach los mit Bildern im Kopf, mit den Emotionen dazu. Ich arbeite völlig intuitiv. Ich habe meist keine Ahnung, in welcher Tonart ich mich überhaupt befinde.
Manche Songs entstehen auch nebenbei im Kopf wie "Cover me". Ich bringe dann die Musik in meinem Kopf über das Klavier zum Klingen. Der ganze Text ist meist nicht so schnell da, erst nur einzelne Zeilen, Fetzen oder der Refrain, da muss ich oft noch ausarbeiten bis es sich rund anfühlt und ich die Wörter und Zeilen mag.
Tobias feilt dann an den Sounds, Arrangements oder wie bei "Landscape" auch an Zwischenteilen und der kleinen, sehr wichtigen Mollwendung.
Dann braucht es immer noch ein paar Tage und wir verändern bestimmte Sounds, verstärken Dinge oder nehmen sie raus, bis es sich rund anfühlt.
2. Wie unterscheidet sich die Arbeit für eine Filmmusik von eurer "normalen" kompositorischen Arbeit? Was ist das Reizvolle daran?
Ich tauche gerne auch in andere Geschichten ab, bin schnell drin, und wie hier war das sehr nah an mir - also ein nicht so großer Unterschied zu dem, was ich sonst nur aus mir schöpfe. Auch bei den Geschichten, die ich aus mir hole, muss ich komplett eintauchen und mich etwas hingeben, widmen, alles andere vergessen, um ein ganz bestimmtes Bild in dem Song wiederzuspiegeln.
Das Besondere daran ist, das zu teilen, was ich mache. Ansonsten entscheide ich allein mit Tobias, welcher Song ausgearbeitet wird. Bei den Songs zum Film war ich mir für meinen Teil ziemlich sicher, dass die Musik zu den Bildern und Emotionen passt, also für mich stimmig, aber ich wusste nicht, ob das die, die an dem Film arbeiten, genauso sehen. Trifft es die Emotion, die gemeint ist? Oder liege ich daneben? Das war anders als sonst und sehr spannend für Tobias und mich. Um so schöner, dass es gepasst hat!
3. Ihr seid demnächst wieder auf Tour. Arbeitest du lieber im Studio oder stehst du lieber auf der Bühne?
Ich sitze am liebsten alleine am Klavier und klimpere, singe, tauche ab und suche Musik und Zeilen, die bestimmte Bilder, Erinnerungen, Emotionen und Geschichten treffen und mich einlullen. Ich versuche diese "Wohnzimmeratmosphäre" auch auf der Bühne zu haben. Wenn ich nicht komplett bei mir bin, bin ich nicht ganz in der Musik. Und das ist auf der Bühne manchmal nicht so leicht. Das Publikum merkt das natürlich nicht und meist sind die Konzerte so schön, dass ich mich freue, die Leute für ein bis zwei Stunden „einzulullen“, weil sie sich drüber freuen.
Ginge es nach den Reaktionen der Presse, gehörte Patty Moon spätestens nach ihrem letztjährigen Album „Lost In Your Head“ zu jenen international erfolgreichen Künstlern, die sich gekonnt zwischen tiefgründiger Singer/Songwriter-Ästhetik und Pop-Eingängigkeit positionieren.
Der „stern“ bezeichnete die Produktion als „magisches Album“, das Magazin „Audio“ zeigte sich vom „filigranen Folk-Pop“ begeistert, und der Kritiker der „Jazzthetik“ beschrieb „Lost In Your Head“ als „ein echtes Gesamtkunstwerk.“
Hans W. Geißendörfer konnte das Künstlerduo Patty Moon und Tobias Schwab für die Originalmusik zu seinem neuen Kinofilm "In der Welt habt ihr Angst" gewinnen. Zwei der Songs aus dem Film, der am 03. März 2011 in die Kinos kommt, können Sie hier vorab hören.
Am 28. Januar 2011 erschien das neue Album „Mimi and me“ auf Traumton-Records. Es enthält 14 Tracks; drei davon sind die Stücke aus „In der Welt habt ihr Angst“.
Die Besetzung: Patty Moon: Vocals, Piano, Komposition | Tobias Schwab: Instrumente, Arrangement | Pellegrini-Streichquartett | David Neuffer: Cello